Allgemeine Informationen für Interessierte

Wer führt dieses Projekt durch?

Ich, Ludwig Maximilian Breuer, bin derzeit Doktorand an der Germanistischen Sprachwissenschaft des Instituts für Germanistik der Universität Wien. Unter anderem arbeite ich dort als Mitarbeiter beim Projekt Syntax Hessischer Dialekte (www.syhd.info). Mein Interesse gilt zunächst den alltäglichen Sprechweisen von Menschen. Obwohl es schon einige Forschungsarbeiten zum "Wienerischen" gibt und die Sprache generell aber auch speziell in Wien ein äußerst komplexes Untersuchungsgebiet ist, möchte ich mit meiner Dissertation einen Beitrag zur Erschließung dieser Stadtsprache liefern. Ich untersuche also die verschiedenen deutschsprachigen Sprechweisen, die sich im Ballungsraum Wien voneinander unterscheiden, und versuche zu beschreiben, was Personen in unterschiedlichen Situationen verschieden ausdrücken.

Welche Sprechweisen gibt es in Wien?

Genau das ist eine jener Fragen, derer sich meine Dissertation annimmt. Aufgrund verschiedener (historischer, politischer, sozialer, ...) Faktoren stellt sich Wien als besonders "schillernder" sprachlicher Lebensraum heraus, was die Beantwortung dieser Frage nicht leichter macht. Wichtig ist, dass wohl jeder Mensch in Wien verschiedene Sprechweisen der deutschen Sprache in Wien hört bzw. liest und sie tendenziell mit bestimmten Vorstellungen (wie bestimmten Situationen, regionalen Zuordnungen etc.) verbindet. So gibt es landläufige Begriffe wie "Meidlinger L" oder "Schönbrunner Deutsch", die einen Hinweis darauf geben, dass verschiedene Arten des Sprechens in Wien noch vorhanden sind. Hinzu kommt, dass Sprache stets dynamisch ist; sie verändert sich nicht nur im Laufe der Zeit, sondern auch von Situation zu Situation - somit sind viele verschiedene Mittel notwendig, um diese Frage beantworten zu können, die ich in meinem Projekt gesammelt veranschaulichen möchte.

Welche Erhebungsmethoden werden in dem Projekt verwendet?

Da ich ein möglichst authentisches, aber auch umfassendes Bild der Sprache in Wien erhalten möchte, besteht die Erhebung aus einem Methodenmix: Einerseits versuche ich möglichst viele Leute verschiedenen Alters mithilfe von (Online-)Fragebögen zu erreichen, andererseits werde ich auch selbst Interviews durchführen und so einzelne Wiener und Wienerinnen direkt befragen. Die Interviews dienen nicht nur zur Beantwortung der gestellten Fragen, sondern werden auch sprachlich ausgewertet. Da der Interviewer oder die Interviewerin einen großen Einfluss auf das Gespräch hat, werden diese Aufnahmen ergänzt durch freie Aufnahmen, in denen zwei Gewährspersonen frei miteinander reden können und dabei aufgezeichnet werden. Das hat zwar den Nachteil, dass vielleicht nicht jene sprachlichen Phänomene auftauchen, die ich suche, aber die verwendete Sprache authentischer ist als z.B. beim Interview. Außerdem ziehe ich noch diverse bereits bestehende Korpora (Sammlungen von Daten) zum Wienerischen heran, die meine Daten ergänzen sollen.

Welche sprachlichen Phänomene werden untersucht?

Ich konzentriere mich bei meinen Untersuchungen auf die so genannte (morpho-)syntaktische Ebene, d.h. vor allem auf Phänomene die mit dem Satzbau zusammenhängen. Betrachtet man z.B. einen Satz wie:

Ich gehe zur Bank, weil ich noch Geld holen muss.

Dieser kann von unterschiedlichen Wienern und Wienerinnen ganz unterschiedlich realisiert werden, z.B. könnte man die Aussprache betrachten: wahrscheinlich entfällt das -e bei gehe bei vielen, statt Ich sagen einige I, das el in Geld könnte ähnlich dem hochsprachlichen ö ausgesprochen werden. Zusätzlich könnten natürlich auch andere Wörter verwendet werden, statt holen könnte abheben bzw. beheben geäußert werden. Schlussendlich kann auch der Satzbau - also die Syntax - analysiert werden; und hier gibt es Varianten wie:

Ich gehe zur Bank, weil ich noch ein Geld holen muss. in dem ein plötzlich vor das Geld tritt.

Häufig wird man auch die Form:
Ich gehe zur Bank, weil ich muss noch ein Geld holen. 
antreffen. In der sich die Stellung der Wörter im Nebensatz ändert.

Prinzipiell bin ich genau auf solche Erscheinungen aus, in denen unterschiedliche (grammatische) Regeln, unterschiedliche Sätze entstehen. Keiner dieser Sätze ist falsch, nur weil er anders ist, er unterliegt - abhängig von der verwendeten Sprechweise - unterschiedlichen Regeln. Und genau darum geht es in diesem Projekt: Die Vielseitigkeit der deutschen Sprache in Wien zu untersuchen.

Siehe dazu auch: http://derstandard.at/ - Vom Wiener, der wos ka Bier net mog

Was bleibt nach dem Projekt übrig?

Einerseits bleibt nach Abschluss des Projekts eine fertige Dissertation mit - zumindest hoffe ich das - spannenden Erkenntnissen zum Sprachgebrauch in Wien übrig, andererseits werden die (anonymisierten!) Daten auch anderen Wissenschaftlern und Wissenschaftlerinnen zur Verfügung gestellt, die sich eingehend mit der Sprache in Wien beschäftigen wollen. Die Daten werden in Form einer Datenbank gespeichert, wobei alle Kontaktdaten etc. der Gewährspersonen nicht gespeichert werden, sondern lediglich nachvollziehbare Kürzel übrig bleiben, sodass die Anonymität der Personen in jedem Fall gewahrt bleibt. Mithilfe dieser Datenbank können auch andere sprachliche Phänomene untersucht werden. Sollten Sie an den Daten interessiert sein, kontaktieren Sie mich einfach.

Wo sind Ergebnisse des Projekts einsehbar?

Da ich alleine an diesem Projekt arbeite, benötigt die Auswertung der großen Datenmengen sehr viel Zeit. Einzelne Analysen führen aber meist zu wissenschaftlichen Veröffentlichungen. Gleichzeitig soll die Veröffentlichung der Ergebnisse nicht die Gewährspersonen beeinflussen, somit sollten ihre Antworten nicht abhängig von jenen machen, die bereits gegeben worden sind.  Gegebenenfalls werde ich aber auch auf dieser Homepage immer mal wieder ein paar Ergebnisse präsentieren können, spätestens aber nach Beendigung des Projekts. 

Wie kann ich mitmachen?

Wenn Sie selbst in Wien aufgewachsen sind und dort als Erstsprache/Muttersprache Deutsch gelernt haben, freue ich mich sehr über Ihre Unterstützung! Da die Interviews inzwischen abgeschlossen sind, können Sie das Projekt insbesondere durch die Teilnahme an Online-Befragungen unterstützen.

Der aktuelle Online-Fragebogen ist HIER abrufbar.

Unter "Mitmachen" finden Sie die verschiedenen Möglichkeiten, sich am Projekt zu beteiligen. Vielen Dank für Ihr Interesse!

Vorhaben
Wienerisch